Triennale der Photographie Hamburg

Konzept & Textarbeit
Projektmanagement
Kommunikation

2018


Bei Siller Contemporary im Hamburger Kunstraum Längengrad 10 von Interpol +- kuratiert Kristina von Bülow im Sommer 2018 eine Fotografie-Ausstellung als Teil des offiziellen Programms der Triennale der Photographie. Das Konzept mit Arbeiten von Gerd George und Thomas Spring ist speziell auf das Thema der Triennale, Breaking Point, zugeschnitten:

"BREAKING POINT. unlearning x rethinking x restarting. Mit der Triennale der Photographie Hamburg 2018 möchten wir mit unserem Publikum in einen Dialog treten, zum Handeln anregen und Veränderungen initiieren. Jetzt beginnt die Zeit der Reflexion, des Umdenkens, der Neubetrachtung und eines Neustarts. Die Fotografie ist ein kraftvolles Instrument, diese Botschaft zu vermitteln."


Die Singularität des Jetzt

Satelliten-Show im Rahmen der 7. Triennale der Photographie Hamburg 2018

Fotografien von Gerd George und Thomas Spring
Kuratiert von Kristina von Bülow

Siller Contemporary | Längengrad 10 Interpol +-
Ballindamm 9, 20095 Hamburg

8. Juni bis 31. August 2018

Die Singularität des Jetzt

Das Jetzt ist eine laufende Verkettung von singulären Breaking Points: In keiner anderen Zeit sind die Dinge wirklich beeinflussbar – nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft. Als sich ständig erneuernder Breaking Point ist das Jetzt eine fließende Abfolge des einzigen Zeitpunkts, zu dem wir tatsächlich etwas bewegen können, weil nur das Jetzt realen Handlungsspielraum eröffnet.

Die Singularität des Jetzt bringt zwei Sichtweisen dieser besonderen Zeiteinheit zusammen: als Fraktal der grenzenlosen Ewigkeit und als Punkt auf dem Vektor der Zeit. Bei Gerd George zeigt sich das Jetzt in zentrierter Kontemplation und meditativer Ruhe, während es bei Thomas Spring in vektoraler Dynamik und berauschender Bewegung formuliert wird. Das Jetzt taucht aus der Zukunft auf und ist sofort zur Vergangenheit verronnen. Es gilt, diesen Moment auf keinen Fall zu verpassen.

Gerd Georges Fotografien aus der Serie Mare sind monolithische Meeresoberflächen, die sich über einen fließenden Horizont mit dem Himmel verbinden. Unendlicher Raum, losgelöst von der Zeit, in dem das Jetzt sich ins Endlose auszudehnen scheint, aber doch vollkommen bei sich bleibt als Mittelpunkt und Umschlagstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Selbst die ewige Unveränderlichkeit des zeitlosen Meeres ist niemals gleich, verändert sich ständig und ist immer im Fluss. Der einzigartige, singuläre Moment der Aufnahme ist ein winziger zeitlicher Ausschnitt aus der räumlichen Unendlichkeit. Es sind Bilder ohne Anfang und Ende, die von Vergangenheit und Zukunft im Präsens erzählen.

Thomas Springs Sicht auf das Jetzt bildet sich vektoral ab. Seine Fotografien aus der Serie Delirious Landscapes sind unwiederbringliche Punkte auf der Linie zwischen Vergangenheit und Zukunft, auf der horizontalen Achse durch einen Raum. Das Jetzt als zufälliger Extrakt aus der Zeit, aus der Bewegung heraus destilliert und für die Zukunft konserviert. Als wären es Gemälde und keine Fotografien, lösen sich Formen und Farben in der Dynamik ineinander auf. Aber immer bleibt ein zufälliger, fraktal kleiner Punkt in der Tiefe des Bildes fokussiert, wodurch sich der übrige Bildraum noch einmal mehr zu bewegen scheint. Ganz wie das singuläre Jetzt als Fokuspunkt auf der Linie der verschwimmenden Zeit.

The Singularity of the Now

The Now is an ongoing linking of singular breaking points: At no other time, things are truly influenceable – neither in the past, nor in the future. As a continuously renewing Breaking Point, the Now is a fluid sequence of the only point in time at which we can actually make things happen, because only the Now grants access to real freedom to act.

The Singularity of the Now brings together two perspectives of this unique time unit: as a fractal of endless eternity and as a point on the vector of time. In Gerd George’s works, the Now shows itself in centred contemplation and meditative quietness, while in Thomas Spring’s works, it manifests in vectoral dynamics and intoxicating motion. The Now appears from the future and has already slipped into the past. It is imperative not to miss this moment under any circumstances.

The photographs from the series Mare by Gerd George are monolithic ocean surfaces that merge into the sky in seamless horizons. Infinite space, detached from time, in which the Now seems to expand into endlessness while fully staying with itself as the centre and breaking point between the past and the future. Even the eternal constancy of the timeless sea is never the same, as it continually changes and is always in the flow. The unique, singular moment of the capture is a tiny temporal extract from spatial infinity. The pictures without beginning and end tell of the past and the future in present tense.

Thomas Spring’s view of the Now is of vectoral nature. His photographs from the Series Delirious Landscapes are irretrievable points on the line between the past and the future, on a horizontal axis through space. The Now as a random excerpt from time, distilled from a state of motion and conserved for the future. More like paintings rather than photographs, form and colour dissolve into one another dynamically. But always one coincidental, fractally small point in the depth of the picture is focused, which makes the entire pictorial space appear to be in motion ever more. Just like the singular Now as a focus point on the line of slipping time.

 

 

 

Portfolio Ausstellung
Layout und Design
Redaktion und Schreiben/Übersetzen


 

Konzept, Text und Übersetzung: Kristina von Bülow, Berlin
Abbildungen und Copyright: Gerd George, Hamburg; Thomas Spring, Berlin