Novokolorit Privatformat I

Konzept & Textarbeit
Projektmanagement
Kommunikation

2016


Nach jahrelanger Entwicklung und Organisation von Ausstellungen in Galerien und mit einem vielfältigen und internationalen Netzwerk von Künstlern geht Novokolorit jetzt mit eigenen Konzepten an den Start. Das bewusst nicht-öffentliche Konzept der Reihe Novokolorit Privatformat soll neue Zugänge zur Kunst und zu den Ideen dahinter eröffnen – persönlich und auf Augenhöhe. Im privaten Rahmen einen fundierten interkulturellen Dialog über Kunst anzuregen ist die Metaperspektive des Konzepts.

Die Ausstellungen aus Novokolorit Privatformat sind auf einen zweijährigen Turnus angelegt. Sie haben jeweils eine Laufzeit von einem halben Jahr, in dem verschiedene Veranstaltungen (Künstlergespräche, Podiumsdiskussionen, Hybridevents) stattfinden. Zum Abschluss von Novokolorit Privatformat ist eine Publikation geplant, die die Ausstellungen und die bestehenden Textbeiträge dazu als Übersicht präsentiert. Neue Texte analysieren die Erkenntnisse aus den Ausstellungen und leuchten sie in ihrer Gesamtheit aus.


Novokolorit Privatformat I
falk von traubenberg

In der interkulturellen Ausstellungsreihe Novokolorit Privatformat werden in privaten Wohnräumen Künstler aus portugiesisch- und deutschsprachigen Ländern gezeigt, um Debatten anzuregen und die Parallelen und Kontraste im Kunstschaffen dieser Kulturkreise aufzudecken.

Den Anfang macht der Hamburger Konzeptkünstler Falk von Traubenberg. Als Grenzgänger zwischen Medienkunst, Fotografie und Installation hat sein Werk eine stark technologische Komponente. Dieser strukturierte und systematische Rahmen schafft einen übergeordneten Freiraum für die offene, vom Zufall geleitete Ästhetik, die vor allem seine Bildarbeiten ausmacht und wie eine zweite Ebene über der Struktur liegt. Der Künstler hat einen ausgeprägten Sinn für die erkenntnisleitende Zusammenführung von Struktur und Zufall. Um diesen künstlerisch auszudrücken, stellt er beide in ausgeglichene Balance zueinander: Struktur, also ein präzises inhaltliches und technisches System, rationell kalkuliert und konstruiert – austariert mit dem Zufall, also unterbewusste, freie, ephemere Elemente, unplanbar und mit offenem Ausgang. Dieses Wechselspiel, das Suchen und Finden dieser Balance, ist die Essenz seines Werks.

Die Serien textur, interform und clouds führen das besonders deutlich vor Augen. Ihnen liegt jeweils eine konzeptuelle Systematik zugrunde, die erst durch den Zufall zur vollen Entfaltung gebracht wird. Mit gezielt erstelltem Ausgangsmaterial und kontrollierter Bildkonstruktion wird das individuelle Endergebnis durch das technologische Werkzeug wesentlich beeinflusst.

So sind zum Beispiel die Arbeiten aus textur – portraits Transkriptionen von Filmportraits bekannter Fotokünstler, die durch den Einsatz verschiedener Technologien extrem abstrahiert wurden. Die Information ist zwar weiterhin präsent, löst sich aber sukzessive in eine Art Hintergrundrauschen auf – ähnlich einer Erinnerung an etwas vor langer Zeit Wahrgenommenes. Bei interform verschmilzt Gegenständlichkeit mit Abstraktion in akkurater und doch völlig freier Linearität, die in fein strukturierten Parallelen in horizontaler, vertikaler oder diagonaler Flussrichtung verläuft. Realität wird durch Wahrnehmung geformt, daher ist sie immer subjektiv. Gegenständliche Bildelemente scheinen im Moment ihrer Erkennbarwerdung ihre Form zu ändern und in fließender Bewegung zu sein.

Was bei clouds wie zufällig erscheint, ist tatsächlich kalkuliert – ein freies aber systematisches Forschungsprojekt, das ein Phänomen der Natur klassifiziert, aber auch Emotionen reflektiert. Die clouds sind Sachlichkeit und Technologie in einer gegenseitig erhaltenden Verbindung mit Sensibilität und Kreativität.

Die Arbeiten wir, connected und eingemacht sind Teil eines Werkkomplexes, in denen Falk von Traubenberg verschiedene künstlerische Ausdrucksformen und Präsentationsformate seiner typischerweise in Installationen verwendeten Rohstoffe Einmachglas und Kleinbilddia durchdekliniert. Indem er Kleinbilddias in Einmachgläser füllt, werden einerseits Momente und Portraits für die Nachwelt „konserviert“, andererseits aber auch auf diskret würdigende Weise der Ansicht entzogen. Es sind Projektionsflächen für die Imagination, und es liegt ganz am Betrachter, die Bilder vor dem inneren Auge aufzurufen.

Die vier Gläser der beleuchteten Wandinstallation wir sind ein Portrait der Familie des Künstlers. Die Familie wird in ihrer Privatheit geschützt aber gleichzeitig als kompakte Einheit nach außen gebracht. Die Beleuchtung durch eine Leuchtstoffröhre steht für das konstante Licht der Erinnerung, linear gen Zukunft verlaufend wie die Zeit. Hingegen ist connected – positionen im kunstbetrieb eine offene, kollektive Arbeit, bei der, ausgehend von Falk von Traubenberg und dann ohne seinen weiteren Einfluss, per Weiterempfehlung untereinander Künstler und Kulturmacher eigene Portraits in Gläser füllten und an den Initiator zurücksandten. Es ist ein vom Zufall gesteuertes, aber systematisch zusammenhängendes Portrait der Kunstbranche. Eingemacht sind Fotografien einzelner Gläser gefüllt mit Dias undefinierten Bildinhalts. Diese Edition von Kleinformaten ist noch ein kurzer, aber prägnanter Kommentar zum Thema der Haltbarmachung von Erinnerungen. Es sind Abbilder der Abbilder, deren Inhalte durch die doppelte Ebene Fotografie und Glas besonders sicher verwahrt und nur dem tatsächlichen Träger der Erinnerung bekannt sind.

Falk von Traubenbergs Werk zieht seine inhaltliche und ästhetische Energie aus der Symbiose der Gegensätze. Es sind durchdachte Arbeiten, deren Gesamtkonzept durch eine ausgesprochen tiefsinnige Vielschichtigkeit charakterisiert wird und dabei immer auf seinen Ausgangspunkt zurückverweist.

Novokolorit | Kristina von Bülow


 

1st Opening

Invite-only Eröffnungsabend
29. Januar 2016

Eine überlegte Auswahl aus dem Netzwerk wird mit handgeschriebenen Postkarten zur Ausstellungseröffnung eingeladen. Auf eine öffentliche Bewerbung wird wegen des privaten Konzepts bewusst verzichtet.

 

Art & Tea

Künstlergespräch bei Tee und Keksen
2. April 2016

Der Künstler Falk von Traubenberg und die Kuratorin Kristina von Bülow sprechen über die Ausstellung. Die Gäste werden über die Gesprächsrunde aktiv einbezogen.

 

Art in Jars & Bar in a Jar

Off-site Pitstop während des Gallery Weekends
30. April und 1. Mai 2016

Cocktails mit feinsten regionalen und saisonalen Ingredienzien, speziell für Novokolorit Privatformat I kreiert und gemixt vom Kreuzberger Startup Bar in a Jar, zur Stärkung auf der Tour durch die Galerien in Berlins Westen. 

 

Closing Night with Spice Invader

Portugiesische Entdeckungen
14. Juli 2016

Den Abschluss der Ausstellung feiern wir mit kulinarischen Experimenten zwischen Portugal und Goa vom Berlin-Lissabonner Gewürzexperten Spice Invader.


Eine kurze Einführung in die Ausstellung
Video, Sound, Voice-Over: falk von traubenberg

Kristina von Bülow im Gespräch mit falk von traubenberg
Video, Sound, Voice-Over: falk von traubenberg


Fotos und Copyright: falk von traubenberg, Hamburg; Novokolorit, Berlin